Der Meister
The Master



Albert Belasco


Belasco-Arts: Homepage

Frankfurter Rundschau 1987

     "Eine Geschichte will ich Euch erzählen, die Ihr noch nicht kennt.

Sie handelt von großer Treue, von des Weibes rechter weiblicher Art, von der Mannheit des Mannes, die sich keiner Härte beugte. Das tapfere Herz betrog ihn nicht.    Oh Du Stahl, wenn Du zu kämpfen kamst, gewannest Du mit Siegerhand manchen rühmlichen Preis!    Oh Du kühnes Herz, das langsam nur weise ward!    So grüße ich Dich, meinen Helden. Du süße Lust der Weibesaugen - und Du warst doch zugleich eine Qual den Frauenherzen!"

     Nachzulesen im ersten Teil des "Parzival" von Wolfram von Eschenbach ("Ein Märe wich ich Ju niuwen..."). Vom "ersten deutschen Abenteuerroman" ist im Kappentext zum "Parzival" die Rede ( Verlag Langen Müller, in der Prosa-Übertragung von Wilhelm Srapel). Kein Wunder, daß die Geschichten von der Gralssuche, von König Artus und seinen edlen Rittern ein Kind nachhaltig beeindrucken und fesseln können.

     Albert Belasco, 1938 in London geboren, war ein Kind, als er mit der Sagenwelt des König Artus, mit den Legenden des Zauberers Merlin in Berührung kam. Im Krieg mußte das Kind aus dem unsicheren London zur mütterlichen Familie aufs Land gebracht werden. Der Junge fühlte sich dort einsam, lernte früh lesen und tauchte ein in die Welt der Mythen, gefördert von Tante und Mutter, die beide Lehrerinnen waren. Nach den Sagen faszinierte ihn die griechische und römische Götterwelt des Orpheus.

     Wenige Jahre später stand fest, daß sich Albert Belasco der Malerei, dem Design-Studium widmen würde.Er studierte in London, hatte dort 1960 auch die ersten Ausstellungen, die ersten Erfolge.

     Den Träumen seiner Kindheit ist er treu geblieben. Die Gestalten, die er malt, bisweilen halb Mensch, halb Tier wie seine "Diana" sind "längst in die Sagenzeit hinabgeglitten", wie der deutsche Dichter Wilhelm Lehmann den "Oberon" beschreibt. Demeter, eine Gestalt aus Pflanzen geboren, der Zauberer Merlin und die Götter der Antike sind seine bevorzugten Objekte. Auch die Lichter, die er setzt, entsprechen den mythischen Themen: da sind erdbraune Töne, in denen ferne Feuer angedeutet werden, oder sanfte, grün- braune Mondfarben, die seine Bilder beherrschen.

     Damit kommt zum zweitenmal die malerische Lust an den Mythen aus England. Schon die Schule der Präraffaeliten, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts besonders in Großbritannien viele Anhänger gefunden hatte, war von Legenden, Sagen und Mythen bestimmt worden.

     In den Malern dieser Stilrichtungen,   aber auch in den   Vertretern der "Wiener Schule" heute (Arik Brauer, Ernst Fuchs) sieht Belasco Künstler, die ihn faszinieren. Sein Lieblingsmaler ist jedoch Chirico, stark beeinflußt hat ihn Max Ernst. So detailgenau, wie er Pflanzen und Insekten malt, liegt er in der Tradition der Renaissance-Maler. Schnecken, Perlen, Libellen - greifbar nah, doch durch Farben Distanz heischend.

      Der Baden-Badener Kunstverleger Curt Reich, den Belasco 1977 kennengelernt hat, und für den er seit dieser Zeit exclusiv arbeitet, spricht von einem "Magic Romanticism". "Belascos Bilder sind von überraschender Eindringlichkeit. Abgrenzung und Anordnung enthalten eine poetische Aussage und erzählerischen Sinn. Für einen Wimperschlag des Universums treten Sterne, Steine, Muscheln, Blumen, rotierende Nebel, sich brechende Wellen in einen neuen Zusammenhang, der in einer anderen Dimension zu liegen scheint, jenseits der Naturgesetzlichkeiten. Die im Menschen ruhenden Seelenbilder, die wir in unserer irdischen Unzulänglichkeit als Legende, Sage, Zauberei und Zeit bezeichnen, gewinnen einen neuen, vom Menschen stets geahnten Zusammenhang." Seine Bilder sind einfach schön. Sie schenken Ruhe, sind fernab von jedweder Aggression, sie sind ein See der Ästhetik, ein Schatz der handwerklichen Vollkommenheit. Es sind meisterliche Werke!

     Belasco ist ein wiederauferstandener Meister der alten, italienischen Malkunst. Von seiner Art gibt es heute nicht mehr viele auf der Welt. Die Themen seiner Werke sind durchdacht und basieren auf dem fortwährenden Studium der Literatur. Inspiration und Ruhe findet der Meister unter den Klängen Wagnerischer Musik, die ihn zutiefst fasziniert. In seinen Bildern finden wir die Gestalten der Keltischen Sagenwelt, König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde auf der Suche nach dem Gral, das Schwert Excalibur, Lanzelot und den Zauberer Merlin. Wir begegnen den Helden und den Göttern der griechischen Mythologie, wie auch Priesterinnen der Antike und vielen anderen mehr.

     Und über allem liegt eine ergreifende Zartheit und sanfte Stille, durchwoben nur von den silbernen Wellen himmlischer Sphärenklänge.